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JAHRESBERICHT 2015

Art. Nr.: 8002

JAHRESBERICHT 2015

Institut für Auslandsbeziehungen
Herausgeber:
Institut für Auslandsbeziehungen
1. Aufl. – Stuttgart , 2016. – 55 S.
– (ifa-Jahresberichte)
lieferbar. Download Grösse: 2.40 MB

Grußwort des Generalsekretärs

Neue Aufgaben der Außenkulturpolitik

Die aktuellen Herausforderungen von Flucht und Migration nehmen großen Einfluss auf unsere internationale Arbeit und unser Engagement in Deutschland. Bei der Bewältigung anstehender Aufgaben und der erfolgreichen Integration der nach Europa kommenden Geflüchteten kann Kultur einen wichtigen Beitrag leisten. Kultur kann als Gegenmittel gegen populistische Bewegungen wirken, die sich in nationalistischer Abschottung gegen eine europäische Integration und gegen Minderheiten aus anderen Kulturkreisen wenden. In seiner Arbeit setzt sich das ifa in Förderprogrammen, Veranstaltungen und Publikationen mit diesen Problemlagen auseinander. Einige Beispiele: Die Studie „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik für Flüchtlingslager“ von Leila Mousa analysiert die Situation in Flüchtlingslagern im Libanon. Sie erarbeitete Empfehlungen für die Gestaltung von Kulturarbeit durch die Akteure der AKBP und stellte fest, dass neben der Erfüllung von Grundbedürfnissen auch ein Bedarf an Kultur- und Bildungsangeboten für die Betroffenen besteht.

Die Situation in der Ukraine war der Ausgangspunkt für das Projekt „Zukunft braucht Erinnerung: innerukrainischer Dialog zu Geschichte und Erinnerung“, bei dem das ifa in Kooperation mit OWEN zwei Gedächtniswerkstätten durchführte, in denen sich Ortsansässige und Binnenflüchtlinge begegneten und gemeinsam mit Erinnerung und Geschichte auseinandersetzten. In Kooperation mit n-ost bot das ifa ein Curriculum zur Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit von 20 Flüchtlingsorganisationen aus der Ukraine, Russland, Aserbaidschan und Georgien an. Neben praktischer Wissensvermittlung standen der länderübergreifende Erfahrungsaustausch, die Vernetzung untereinander und mit weiteren relevanten zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie mit Medien und Journalisten im Fokus.

In Deutschland setzten sich die ifa-Galerien in Stuttgart und Berlin in Gesprächen, Filmvorführungen und Workshops mit der Situation von Geflüchteten auseinander, Publikationen wie das EUNIC-Jahrbuch sammelten Perspektiven aus der ganzen Welt. Und nicht zuletzt bietet die Deutschschule des ifa in Kooperation mit der Universität Stuttgart einen Deutschkurs für Geflüchtete mit guten Bleibeaussichten an. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der Aufgaben, die sich uns stellen.

Biografien gestalten

Aus ähnlich brennenden Fragestellungen wie derzeit in Zusammenhang mitden Flüchtlingsthemen entstanden vor Jahrzehnten andere, nunmehr etablierteProgramme, die das Institut heute maßgeblich mitprägen. Anfang der Neunzigerjahrewurde, infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion, das ProgrammIntegration und Medien entwickelt. Die deutschen Minderheiten in Mittelost-,Südosteuropa und in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten werden dabeiunterstützt, als zivilgesellschaftliche Akteure und Brückenbauer zu wirken undsich professionell zu positionieren. 2016 feierte das Entsendeprogramm sein20-jähriges Bestehen – mehr als 400 Kulturmanagerinnen und -manager unterstütztenseit 1995 Minderheiten als professionelle Mittler zwischen den Kulturenund gaben wertvolle Impulse für ein Zusammenleben in Vielfalt.

Der europäisch-islamische Dialog stand bereits Ende der Neunzigerjahreauf der Agenda des ifa, doch nach dem 11. September 2001 wurde die Notwendigkeitder Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteure mehr als deutlich. Infolgedessenwurde 2005 das Stipendienprogramm CrossCulture Praktika eingerichtet,an dem während seines mittlerweile zehnjährigen Bestehens über 400 Menschenaus 30 Ländern teilnahmen. Die fachlichen und interkulturellen Kompetenzenund Erfahrungen der Stipendiatinnen und Stipendiaten sind für unser Lernenim Dialog mit islamisch geprägten Gesellschaften sehr wichtig. Ihr Expertenwissenist eine wertvolle Ressource in internationalen Kooperationen und zivilgesellschaftlichenVeränderungsprozessen.

Begegnungen ermöglichen

Die Begegnung mit anderen, der Erfahrungsaustausch, das Lernen voneinander und Kooperation sind wesentliche Bestandteile einer lernenden und sich stetig verändernden Institution, als die sich das ifa begreift. Dabei ist das persönliche Gespräch von größter Bedeutung. So klingen die Gespräche auf Konferenzen, wie beispielsweise dem Public Diplomacy Forum in Berlin mit der Robert-Bosch-Stiftung, dem Instituut Clingendael und dem Charhar Institute auch nach Monaten nach, die Bilder der Eröffnung der Ausstellung „Future Perfect“ in Porto Alegre/Brasilien sind so präsent, als wäre sie gestern gewesen. Alles, was wir tun, verändert uns. Doch auch jenseits der großen Ereignisse gibt es prägende Momente. So lädt das ifa seit einiger Zeit in loser Abfolge Vertreterinnen und Vertreter von befreundeten Institutionen, Stiftungen und Thinktanks zum offenen Austausch ein – um voneinander und übereinander zu lernen. Mit dabei waren im vergangenen Jahr u. a. Dr. Bernd M. Scherer vom Haus der Kulturen der Welt, Christel Hartmann-Fritsch von der Stiftung Genshagen, Clare Shine vom Salzburg Global Seminar, Dr. Harald Kindermann von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann vom Goethe-Institut oder Dr. Rupert Graf Strachwitz von der Maecenata Stiftung. Das, in Zusammenspiel mit den Netzwerken und Gesprächen weltweit, trägt zu einem „Destillationsprozess“ für neue Fragestellungen bei.

Dank

Das Wissen und das Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ifa ist das Fundament unserer Arbeit. Ihnen gilt daher mein größter Dank. Herzlich danken möchte ich weiterhin allen, die uns auch 2015 kritisch und konstruktiv begleitet haben, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amts, unseren Partnern, Freunden und Förderern, den Mitgliedern, unserer Präsidentin StM a.D. Ursula Seiler-Albring und dem Präsidium sowie unseren Beiräten und Jurys. Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgen und das Institut für Auslandsbeziehungen als Themen-Institut und Kompetenzzentrum für Fragen wie der Wirkung von Kunst und Kultur und des interkulturellen Dialogs in der Außenpolitik weiterentwickeln.

Ihr
Ronald Grätz
Generalsekretär des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)

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